Der empathische Körper 2020-2023


 

Die Tanz- und Performance-Kompanie Silke Z. und DIE METABOLISTEN mit Sitz in den ehrenfeldstudios, plant für die Jahre 2020 bis 2023 ein interdependentes, interdisziplinäres, künstlerisches Projekt an der Schnittstelle von künstlerischer Produktion mit Profis, künstlerischer Forschung mit der Generation Ü 60 und künstlerischer Vermittlung an die Generation U 20 und Lehrer*innen an Schulen. Unter dem Konzepttitel „Der empathische Körper“ spielt dabei eine wesentliche Rolle, eine permanente, verknüpfende Durchdringung der drei Ebenen des Projekts als gesamtkünstlerische Praxis miteinander herzustellen und so eine intergenerationelle, vermittelnde, forschende und produzierende Feedbackschleife im Gesamtprozess zu generieren, die dergestalt jeweils aufeinander wirken und Einfluss nehmen. Nichts Geringeres als ein intergenerationelles, holistisches Gesamtkunstwerk aus Forschung, Vermittlung, Fortbildung und künstlerischer Produktion zu erschaffen, das dem Anspruch genügt, gesellschaftsrelevante künstlerische Forschung und Vermittlung zu betreiben und in anspruchsvolle, zeitgemäße Produktionen von Bühnenwerken münden zu lassen, ist das Ziel.

Künstlerische Produktion

Empathie ist ein evolutionäres Phänomen, das in einem entwicklungspsychologischen Kontext weitreichend beschrieben ist (Stichwort: Spiegelneuronen). Aber Empathie ist kein universeller Solidaritäts-Klebstoff, wie uns therapeutische Konzepte gerne nahelegen wollen. Sie ist ein genetisch-neuronales Konzept, sie ist die Antwort auf die Frage nach der bestmöglichen Überlebensstrategie. Gruppenübergreifend kann sie gerade darum auch eine Bedingung für Konflikte und delinquentes Verhalten sein. Als multidimensionales Konstrukt ist Empathie noch wenig weitreichend verstanden.

Zu viele Ideologiebrüche durchziehen unsere Gesellschaft. Eines der Grundprinzipien westlicher Erziehung lautet Konkurrenz. Ihr pädagogischer Imperativ hingegen Achtsamkeit. Dieser unselige und widersprüchliche Ideologie-Cocktail erzeugt einen hochgradigen Authentizitäts-Stressor. Empathie mit sich selbst wird zur Zwickmühle. Empathie mit anderen ebenso.

Empathie ist Arbeit. Ihrer habhaft zu werden bedeutet ein tägliches Ringen um ihre Anwesenheit. Ein Kampf, der geführt werden muss, wenn wir als Gemeinschaft überleben wollen. Die Bedingungen sind gesät: Empathie transportiert sich über Sprache ebenso wie über die Annäherung unserer Körper. Um der Flüchtigkeit, um der Verletzlichkeit ihrer Anwesenheit zu begegnen, um die Rufe nach ihr nicht allein den Moralaposteln des sogenannten guten Lebens zu überlassen und um ihrer Gefährdung durch die ungefilterten Einflüsse digitaler Verheißungen zu begegnen, müssen wir zu neuen Definitionen und Verhaltensweisen kommen. Das geht nur, wenn wir uns darauf einlassen, dass Empathie der Schlüssel für reale Veränderung ist. Jenseits aller schnelllebigen Lippenbekenntnisse zu Solidarität, die außer einem schulterklopfenden Common Sense über unsere angeblich aufgeklärten und humanistisch geprägten Leben kaum echte, empathische Wirkung entfalten. Wir wollen mit unserer praktisch-künstlerischen Arbeit, unseren kreativen Methoden und künstlerischen Perspektiven einen Beitrag zu Fragestellungen rund um den Empathiediskurs leisten und im Rahmen unseres vielschichtigen Konzeptes erleb- und erfahrbar machen. 

Die kommenden Projekte von Silke Z. und den METABOLISTEN werden Empathie und ihre Bedeutung für uns als Individuen wie auch als Gemeinschaftswesen intergenerationell in Bewegung befragen und erforschen und ihre Fragwürdigkeit an signifikanten Beispielen ihrer Widersprüchlichkeit ausloten.

2020 entsteht die Bühnenproduktion WIR. Im Jahr 2021 das Stück Liebe ist…prime! eine Produktion zum Thema Sprache und Empathie und im Jahr 2022 Play! zum Thema Interaktion und Empathie und 2023 Mein…stream zum Thema Medien und Empathie.

 

Künstlerische Forschung

Im Rahmen der künstlerischen Forschung soll gezielt mit älteren Menschen der Generation Ü 60 an relevanten Forschungsfragen zum Thema Empathie gearbeitet werden. Bewusst werden in Forschung und auch Vermittlung die Generationen separiert, um später das generierte Material in der Bühnenproduktion intergenerationell aufzuarbeiten. Als „Botschafter“ fungieren Ensemblemitglieder*innen, die in den Forschungslaboratorien und in den Vermittlungsworkshops arbeiten und die Ergebnisse in die Bühnenproduktionsprozesse einfließen lassen. Die künstlerische Forschung bewirkt gleichzeitig eine Erweiterung der Fragestellungen, sowie eine Erweiterung des Personenkreises, der sich – wenn auch indirekt – an der Bühnenproduktion beteiligt und ein tiefgreifenderes Arbeiten ermöglicht.

Laien und Semiprofessionelle forschen und bieten andere Perspektiven auf unser Thema. Die Motivation hierfür liegt in dem Wunsch, nicht länger nur als exklusive Expertengruppe aus dem Elfenbeinturm der „Kunstwelt“ zu produzieren, sondern Brücken zwischen Künstler*innen und Gesellschaft, zwischen Theorie und Praxis, zwischen Künstler*innen und Zuschauer*innen und zwischen Menschen und Kulturen zu bauen, um so die künstlerische Praxis stärker in der Mitte der Gesellschaft zu verankern.

Wenn wir mit Materie in Berührung kommen, beginnen wir anders zu denken und produzieren gemeinsam ein anderes Wissen (Barbara Bolt, 2007).

 

Künstlerische Vermittlung

Das Vermittlungskonzept basiert zentral auf der Transferierung choreografischer Methoden zum Thema Empathie, die in Workshops und Fortbildungen an Schüler*innen und Lehrer*innen in Schulen in Köln und NRW sowie in München vermittelt werden. Das Vermittlungskonzept impliziert außerdem die Teilhabe an Proben während des künstlerischen Produktionsprozesses und bei Aufführungen. Im Rahmen des gesamtkünstlerischen Konzepts wird so mithilfe der Begriffe Empathie, Abstand, Nachahmung und Manipulation der alltägliche Umgang mit (Körper-) Empfindungen gesucht. Kinder (ab 10 Jahre), Jugendliche und Lehrer*innen bekommen in Workshops und Fortbildungen die Möglichkeit, in reflexiven und kreativen Prozessen Empathie zu erfahren und eine Sensibilisierung für sich selbst, das Gegenüber und die Gemeinschaft zu entwickeln. Der Prozess der Vermittlung wird begleitet von ausgewählten Ensemblemitgliedern, deren gewonnene Erfahrungen werden in den künstlerischen Produktionsprozess integriert, so dass die Vermittlungsarbeit „junge Perspektiven“ auf die Thematik wirft, welche wiederum vom intergenerationellen Ensemble aufgegriffen und zu Bühnenproduktionen performativ verarbeitet werden. Schüler*innen sind außerdem eingeladen den professionellen Probenprozessen beizuwohnen und sich an der Materialentwicklung (Bewegung und Texte) zu beteiligen. So steht die Generation U 20 dem künstlerischen Team „beratend“ zur Seite und wird dadurch Teil des kreativ-künstlerischen Outputs.

Das Gesamtkonzept ist überregional vernetzend angelegt und wird koproduziert von dem jungen Schauspielhaus Bochum und der Organisation Fokus Tanz e.V., welche Tanzstücke für ein junges Publikum produziert und richtet das biennale Festival Think Big! in München aus.

Außerdem wird das Projekt vom Albertus-Magnus Gymnasium, Köln, der Ruhr-Universität, Bochum (Szenische Forschung) und den ehrenfeldstudios e.V. unterstützt.

 

PREMIERE | WIR

19. November 2020 | 20:00 h
Alte Feuerwache, Köln

weitere Aufführungen
20. / 21. November 2020 | 20:00 h Alte Feuerwache, Köln
03. / 04. / 05. Dezember 2020 | 20:00 h ehrenfeldstudios, Köln

Das Gesamtkonzept wird unterstützt von folgenden Partnern:

Koproduktion: Fokus Tanz e.V. / Think Big! Festival München, Junges Schauspielhaus Bochum

Kooperation: Albertus-Magnus Gymnasium, Köln, Ruhr-Universität Bochum, Deutsche Sporthochschule, Köln, ehrenfeldstudios e.V.

Gefördert durch das Land NRW im Rahmen der 3 jährigen Konzeptionsförderung und die Stadt Köln im Rahmen der mehrjährigen Projektförderung.